Gedichte

 

Hier finden Sie Gedichte, von denen mich jedes einzelne zutiefst berührt. 

Als erstes möchte ich unserem oberösterreichischen Heimatdichter, Franz Stelzhamer, meine Reverenz erweisen, und unsere Landeshymne anführen.

Landeshymne: Da Hoamatgsang

Die ersten beiden und die letzte Strophe des Gedichtes “Hoamatgsang” von Franz Stelzhamer wurden 1952 per Landesgesetz zur Landeshymne erklärt.

Das oberösterreichische Landeswappen

Hoamatland, Hoamatland!
Di han i so gern
Wiar a Kinderl sei Muader,
A Hünderl sein Herrn.

Duri s Tal bin i glafn,
Afn Hügl bin i glegn,
Und dein Sunn hat mih trickert,
Wann mi gnetzt hat Dein Regn.

Dahoam is dahoam,
Wannst net fort muaßt, so bleib;
Denn die Hoamat is ehnter
Der zweit Muaderleib.
  

Zu meinen Lieblingsdichtern gehört auch der große österreichische Dichter

Josef Weinheber
(1892 - 1945)

Folgendes Gedicht vereint meine Verehrung für seine Kunst, und meine Liebe zur italienischen Sprache.

Com´ esser, donna, puote, e pur se ´l vede
La lunga esperienza, che più dura
Immagin viva in pietra alpestre e dura,
Che ´l suo fattor che morte in breve fiede?

La cagione all´ effetto inferma cede,
Ed è dall´ arte vinta la natura:
Io ´l so ch´ amica ho si l´ alma scultura,
E veggo il tempo omai rompermi fede.

Forse ad ambedue noi dar lunga vita
Posso, o vuoi nei colori o vuoi nei sassi,
Rassembrando di noi l´ affetto e ´l volto;

Sicchè mill´ anni dopo la partita
Quanto tu bella fosti ed io t´ amassi
Si veggia, e come a amarti io non fui stolto.

(Michelangelo "An Vittoria Colonna")

Dies sehn wir, Herrin, zeit- und leiderfahren:
Es ist ein dauernderes Dasein eben
dem Bildwerk vor dem Bildenden gegeben,
der hingehn muß in seinen weißen Haaren.

Der Schöpfer stirbt, Geschaffnes kommt zu Jahren.
So siegt die Kunst, so unterliegt das Leben.
Mit ganzer Seele meinem Werk ergeben -
Ich weiß, wie Zeit und Tod mit mir verfahren.

Doch könnt ich Ewigkeit verleihn uns beiden,
fügt ich nach deinem Wink in Farb, im Steine
ein Bild von uns, getreu und formerlesen,

zu zeugen tausend Jahr nach unserm Scheiden,
wie deine
Züge schön, wie elend meine,
und wie dich lieben mir Gesetz gewesen.


Quelle: Josef Weinheber: Gedichte. Hoffmann und Campe Verlag. Hamburg

 

Rainer Maria Rilke 
(1875-1926)

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Quelle: Rainer Maria Rilke: Das Buch der Bilder. insel taschenbuch 26. Wiesbaden 1955

Erinnerung

Und du wartest, erwartest das Eine,
das dein Leben unendlich vermehrt;
das Mächtige, Ungemeine,
das Erwachen der Steine,
Tiefen, dir zugekehrt.

Es dämmern im Bücherständer
die Bände in Gold und Braun;
und du denkst an durchfahrene Länder,
an Bilder, an die Gewänder
wiederverlorener Fraun.

Und da weißt du auf einmal: das war es.
Du erhebst dich, und vor dir steht
eines vergangenen Jahres
Angst und Gestalt und Gebet.

Quelle: Rainer Maria Rilke: Das Buch der Bilder. insel taschenbuch 26. Wiesbaden 1955

Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt,
und
manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird,

und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

Quelle: Rainer Maria Rilke: Das Buch der Bilder. insel taschenbuch 26. Wiesbaden 1955

Natürlich berühren mich nicht nur Gedichte österreichischer Schriftsteller. Hier eines meiner absoluten Lieblingsgedichte von

Bert Brecht
(1898-1956)

Ardens sed Virens

Herrlich, was im schönen Feuer
Nicht zu kalter Asche kehrt!
Schwester, sieh, du bist mir teuer
Brennend, aber nicht verzehrt.
 
Viele sah ich schlau erkalten
Hitzige stürzen unbelehrt
Schwester, dich kann ich behalten
Brennend, aber nicht verzehrt.
 
Ach, für dich stand, wegzureiten
Hinterm Schlachtfeld nie ein Pferd
Darum sah ich dich mit Vorsicht streiten
Brennend, aber nicht verzehrt.

Quelle: Ruth Berlau: Brechts Lai-Tu. Sammlung Luchterhand 698. Darmstadt 1985

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Elisabeth Werner